Jean M. Auel - Ayla und der Clan des Bären (Band 1 der Serie)

Auel
Vor Tausenden von Jahren: Durch ein Erdbeben verliert die fünfjährige Ayla ihre Familie. Tagelang irrt das kleine Mädchen durch die Wildnis und wird schließlich sogar von einem Höhlenlöwen angegriffen. Doch das Mädchen ist nicht das einzige Lebewesen, daß durch die Naturgewalten sein Zuhause verloren hat. Auch ein Clan von Erdlingen hat seine Höhle verloren und ist auf der Suche nach einer neuen Unterkunft. Als der Clan das verletzte Kind findet, zögert Brun, der Anführer, zunächst, es mitzunehmen, da es zu den "Anderen" gehört. Aber Iza, die Medizinfrau des Clans, gelingt es, ihn dazuzuüberreden, das Kind mitzunehmen und es als Tochter anzunehmen.

Und so wächst Ayla bei Wesen auf, die sich sehr von ihr unterscheiden. Ihr Versuch, mit Worten zu kommunizieren, scheitert, unterhalten sich die Erdlinge doch fast ausschließlich mit Gesten. Doch nach einer Weile kann sich Ayla in den Clan integrieren, auch wenn es ihr weiterhin Schwierigkeiten bereitet, sich den Männern unterzuordnen und sich auf Frauenaufgaben zu beschränken. Es wird offensichtlich, daß Ayla zu einer anderen Art Mensch gehört. Im Gegensatz zu den Clanmitglieder besitzt sie keine ererbte Erinnerung, sondern hat die Fähigkeit zur Innovation und zum vorausschauenden Denken. Vor allem vonseiten Brouds, Bruns Sohn und zukünftiger Anführer, wird ihr deshalb brennender Haß entgegengebracht. Die Situation droht zu eskalieren, als Ayla sich die Jagd mit der Schleuder beibringt - obwohl es für Frauen streng verboten ist zu jagen. Offensichtlich wird ihr Verstoß gegen die Gesetze, als sie dank ihrer Schleuder ein Kind vor Hyänen retten kann, und man erlaubt ihr schließlich die Jagd.

Als sie zu einer jungen Frau herangewachsen ist, mißbraucht Broud sein Recht als Mann und zwingt Ayla zum Sex. Wenig später wird diese schwanger und bringt wieder erwarten einen Sohn zur Welt: Durc. Nachdem man diesen zunächst zum Tod verurteilt, da er angeblich mißgestaltet ist (in Wirklichkeit jedoch nur ein Mischling aus Clan und den "Anderen"), wird er doch in den Verband aufgenommen.

Zu einer weiteren Zerreißprobe kommt es während des alle 7 Jahre veranstalteten Meetings des Großclans, in dem Ayla Iza als Haupt-Medizinfrau vertritt, da diese mittlerweile zu alt geworden ist. Doch als sie ihren Mut beweist, als sie einen Verletzten vor einem Höhlenbären rettet, erkennt man sie doch an. Nach Hause zurückgekehrt, eskaliert die Situation dennoch: Iza stirbt, und Brun ernennt seinen Sohn Broud zum neuen Anführer. Als ein erneutes Erdbeben auch den mächtigen Mog-ur tötet, sieht Broud seine Chance gekommen. Er läßt den Todesfluch über Ayla aussprechen, und diese muß ihre "Familie" verlassen.

Nun macht sie sich ohne ihren Sohn Durc auf den Weg zu den "Anderen", um eine neue Heimat und einen Gefährten zu finden.

Eine faszinierende Geschichte aus dem "Morgenrot" der Menschheit. Man erfährt viel über die heilende Wirkung von Pflanzen, die Jagd und den Alltag unserer Vorfahren (wenn man denn an die Evolution glaubt). Das Buch läßt den Leser nicht unverändert zurück. Man betrachtet seine Umwelt aus einem neuen Blickwinkel und erkennt, daß wir Menschen in der Vergangenheit doch eine Menge wichtiges Wissen verloren haben - vor allem aber den Bezug zur Natur. Einziger Kritikpunkt: Das Buch sollte vom Verlag dringend noch einmal sprachlich überarbeitet werden. Viele Formulierungen sind mehr als unglücklich und ein untrügliches Zeichen dafür, daß die Überarbeitung noch zu sehr an der englischsprachigen Vorlage lehnt. Und auch die Wortwahl der "Flachschädel" wirkt an einigen Stellen unglaubwürdig, da die Worte einfach zu modern sind.