Jane Austen - Stolz und Vorurteil

Auel
Die Ankunft von Bingley, seiner Schwester und seinem Freund Mr. Darcy bringt Aufregung in das Leben der Bennets. Mrs. Bennet hofft, daß die beiden ledigen, aber wohlhabenden Männer zwei ihrer fünf Töchter heiraten werden. Zwischen Mr. Bingley und ihrer Tochter Jane entwickelt sich alles wie gewünscht, und es sieht ganz so aus, als stünde bald eine Hochzeit ins Haus. Doch der hochnäsige Mr. Darcy zeigt keinerlei Interesse an den Damen, die in seinen Augen doch so sehr unter seinem Stand sind, und stößt Elisabeth vor den Kopf, als er sich weigert, mit ihr zu tanzen. Elisabeth faßt eine ausgesprochen negative Meinung von ihm, die sich wenig später vertieft.

Mr. Wickham, ein Soldat in der ortsansässigen Garnison, offenbart Elisabeth, daß Mr. Darcys Charakter fragwürdig sei. Beide seien alte Bekannte, doch habe sich Mr. Darcy nach dem Tod seines Vaters geweigert, ihm die ihm zustehende finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Da Mr. Darcy sich der Familie Bennet und ihren Freunden ausgesprochen stolz und verächtlich präsentiert und Mr. Wickham ihr sympathisch ist, schenkt ihm Elisabeth nur allzugern Glauben.

Darcys Haltung gegenüber Elisabeth beginnt sich zu ändern, als sie sich wegen der Krankheit ihrer Schwester Jane (die im Regen nach Netherfield geritten ist) auf Netherfield aufhält. Sie präsentiert sich ihm als intelligente junge Frau, die genau weiß, was sie will, und mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hält.

Für ein wenig Abwechslung sorgt das Erscheinen von Mr. Collins, einem entfernten Cousin und Pfarrer, der das Vermögen und die Besitztümer der Bennets erben wird, da keine männlichen Erben vorhanden sind. Er verleiht sogleich seiner Hoffnung Ausdruck, daß er dieses "Unglück" gutmachen wollte, indem er eine der Töchter heiraten werde. Nachdem ihm Mrs. Bennet signalisiert hat, daß Jane bereits vergeben sei, fällt seine Wahl auf Elisabeth. Diese erteilt ihm jedoch einen Korb, da Mr. Collins sie nicht wirklich liebt, sondern nur der Anordnung seiner Gönnerin, Lady Catherine de Burgh, folgt und auch nur mit einem begrenzten Maß an Intelligenz gesegnet ist. Elisabeths Freundin Charlotte nutzt jedoch die Situation und nimmt wenig später den Heiratsantrag an, als Mr. Collins ihr ebenfalls einen macht.

Wenig später erhält Jane jedoch eine Nachricht von Miss Bingley, in der diese ihr mitteilt, daß die Gruppe wieder nach London reisen werde und nicht mit einer Rückkehr zu rechnen sei. Jane - und vor allem Mrs. Bennet - ist am Boden zerstört. Sie "flüchtet" nach London zu ihrem Onkel und ihrer Tante und versucht dort, Mr. Bingley und seine Schwestern zu treffen, woraufhin eine von ihnen mit Abweisung begegnet.

Elisabeth fährt wenig später nach Kent, um ihre Freundin Charlotte zu besuchen. Dort macht sie die Bekanntschaft von Lady Catherine de Burgh und deren unscheinbarer lediger Tochter, die zu Elisabeths Erstaunen angeblich die Auserwählte von Mr. Darcy ist, wie Lady Catherine ihr zu verstehen gibt. Und kurze Zeit später taucht dieser dann auch zusammen mit einem Cousin Colonel Fitzwilliam unerwartet in Rosings auf. Die Gespräche mit ihm verwirren Elisabeth zusehends, doch dann erfährt sie zu ihrem Entsetzen von Fitzwilliam, daß Darcy für den Bruch zwischen Mr. Bingley und ihrer Schwester Jane verantwortlich war, da er seinem Freund deutlich vor Augen geführt hat, wie unstandesgemäß eine solche Verbindung sei. In dieser Situation tut Mr. Darcy etwas Unerwartetes: Er macht Elisabeth einen Heiratsantrag - doch nicht ohne ihr deutlich zu machen, daß sie im Grunde unter seiner Würde sei. Wie groß ist jedoch sein Entsetzen, als Elisabeth seinen Antrag nicht annimmt, sondern ihm unmißverständlich zu verstehen gibt, daß sie niemals seine Frau werden will und daß die Art seines Antrags sie erst recht davon abhalte. Darcy reagiert beleidigt und es kommt zu einer unerfreulichen Szene, in der beide dem anderen die gegenseitige Kritik an den Kopf werfen, Elisabeth ihm u. a. sein vermeintlich schändliches Verhalten gegenüber Mr. Wickham.

Darcy nimmt am folgenden Tag zu den Vorwürfen in einem Brief Stellung und offenbart ihr die Wahrheit über seine Verbindung zu dem Offizier: Dieser habe die versprochene finanzielle Unterstützung erhalten, habe sie jedoch mit Kartenspiel und Frauen durchgebracht. Auch eine weitere Unterstützung habe Wickham mißbraucht. Doch dann habe er das Undenkliche getan: Er erschlich sich das Vertrauen und die Liebe von Darcys erst 15jähriger Schwester und überredete sie dazu, mit ihm durchzubrennen. Ihr Bruder kam jedoch hinter den Plan und rettete sie vor dem Mitgiftjäger. Elisabeth bereut ihre Worte, auch wenn sie Darcys Ausführungen zur Beziehung zwischen Bingley und Jane nicht zustimmen kann.

Wieder zu Hause angekommen, berichtet Elisabeth Jane von Mr. Wickhams Vergehen und beratschlagt mit ihr, ob man die Familie davon in Kenntnis setzen solle. Man beschließt jedoch zu schweigen, da sein Regiment in Kürze nach Brighton abkommandiert werden wird. Auch Lydia, die jüngste Bennet-Tochter, reist mit der Ehefrau des Kommendanten dorthin.

Mittlerweile ist es Sommer, und Elisabeth reist mit einem Onkel und ihrer Tante in den Norden Englands. Dort besuchen sie u. a. auch Pemberley, den Landsitz von Mr. Darcy, in dem Glauben, dieser halte sich gegenwärtig in London auf. Unerwartet ist dieser jedoch ebenfalls angereist und sieht sich nach einem Bad im See plötzlich "unkorrekt" bekleidet Elisabeth gegenüber. Diese ist überrascht, als sie ihn im Gespräch mit ihren Verwandten erlebt: Von dem stolzen und hochmütigen jungen Mann ist nichts mehr zu spüren. In den folgenden Tagen kommen sich die beiden näher, doch als Darcy ihr gerade einen weiteren Antrag machen will, erhält Elisabeth die Nachricht, daß ihre Schwester Lydia mit Wickham durchgebrannt und angeblich auf dem Weg nach Gretna Green, jedoch in Wirklichkeit irgendwo in London ist - unverheiratet. Elisabeth ist sich bewußt, das dieser Skandal eine Eheschließung zwischen ihr und Darcy nun endgültig zunichte gemacht hat, und reist mit ihrem Verwandten Hals über Kopf nach Hause.

Nach einer Zeit bangen Wartens erhalten die Bennets die Nachricht, daß Lydia und Wickham gefunden und verheiratet wurden. Und Lydia verrät ihren Schwestern bei einem Besuch das Unerwartete: Es war Darcy, der die beiden gefunden und die Ehe arrangiert hat. Elisabeth erkennt, wie sehr sie sich wirklich in ihm geirrt hat. Wenig später kehrt auch Bingley nach Netherfield zurück, besucht auch Jane wieder und macht ihr einen Antrag, den diese liebendgern annimmt. Elisabeth erhält Besuch von Lady Catherine, die ihr vorhält, sie habe gehört, daß ebenfalls eine Verlobung zwischen ihr und Darcy zu erwarten sei, und fordert sie auf, dies kategorisch abzulehnen. Elisabeth lehnt empört ab. Während eines Spaziergangs bedankt sie sich bei Darcy für das, was er für Lydia getan hat, auch im Namen ihrer Familie, die gar nicht wisse, wem sie das Glück zu verdanken habe - doch dieser macht ihr deutlich, daß er es nicht für ihre Familie, sondern nur für sie getan habe. Beide gestehen sich, wie sehr sie sich im anderen geirrt und falsch verhalten haben - und wenig später findet eine Doppelhochzeit statt.

"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein Junggeselle, der ein beachtliches Vermögen besitzt, zu seinem Glück nur noch einer Frau bedarf" - dies ist der Einstieg in eines der großartigsten Bücher, die ich kenne. Die Grundidee wird bereits von Anfang an deutlich gemacht: Wie bringt man fünf Töchter unter die Haube, wenn die Familie nicht sehr vermögend ist? Das Motiv der Geschichte selbst handelt jedoch davon, wie falscher Stolz und Vorurteile Menschen die Sicht auf den wahren Charakter eines Menschen nehmen können. Jane Austen gelingt es, beides auf eine beispiellos humorvolle, charmante und intelligente Art und Weise zu vermitteln. Ihre Heldinnen werden auch von den Frauen des 21. Jahrhunderts noch für ihren Mut bewundert, keine Kompromisse einzugehen und den Mann zu heiraten, den sie lieben - ungeachtet des sozialen Status. Fazit: Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, hat wirklich etwas verpaßt!