Ann Brashares: Eine für vier

Elrod
"[...] 6. Wenn wir wieder vereint sind, mußt du die richtige Verfahrensweise befolgen, um deine Zeit in der JEANS zu dokumentieren:
- Auf das linke Hosenbein wird der aufregendste Ort geschrieben, an dem du warst, während du die JEANS anhattest.
- Auf das rechte Hosenbein wird das wichtigste Ereignis geschrieben, das sich zugetragen hat, während du die JEANS anhattest. (Zum Beispiel: 'Während ich die JEANS anhatte, hab ich mit Ivan rumgeknutscht, meinem Cousin zweiten Grades.')
7. Du mußt deinen Schwestern den ganzen Sommer hindurch schreiben, auch wenn du ohne sie noch so viel Spaß hast.
8. Du mußt die JEANS nach den von den Schwestern festgelegten Vorschriften weiterreichen. Zuwiderhandlung wird mit einer tüchtigen Tracht Prügel geahndet, wenn wir wieder vereint sind.
9. Du darfst die JEANS nicht mit einem Gürtel tragen und dein Hemd nicht hineinstecken. Siehe Regel 2.
10. Denk immer daran: JEANS = Liebe. Liebe deine Freundinnen. Liebe dich selbst."

Bridget, Carmen, Lena und Tibby sind unzertrennlich - mehr noch, sie sind wie Schwestern. Schließlich "kennen" sie sich schon aus dem Schwangerschaftsgymnastik-Kurs ihrer Mütter. Eineiige Vierlinge sind sie deshalb noch lange nicht: Die wunderschöne, extrovertierte Bridget lebt für ihre Fußballmannschaft, die etwas pummelige Carmen ist überschwänglich impulsiv, die hübsche, introvertierte Lena eine Künstlernatur und die kleine Tibby eine Zynikerin. Eines ist ungeschriebenes Gesetz: Die Ferien werden gemeinsam verbracht. Doch diese Sommerferien sind anders. Die vier werden 16, und zum ersten Mal trennen sich ihre Wege:

Bridget verbringt ihre Ferien in einem Camp, wo sie nicht nur Fußball spielt, sondern sich auch in einen ihrer Sportlehrer verliebt und alles tut, damit sie diesem ebenfalls auffällt. Doch als ihr dies gelingt, verändert es alles. Carmen besucht ihren Vater - doch dieser hat ihr eines verschwiegen: daß er eine neue Familie gegründet hat und heiraten will. Und offenbar paßt sie dort überhaupt nicht hinein. Lena fliegt gemeinsam mit ihrer Schwester Effie auf die griechische Insel Santorini, um ihre Großeltern zu besuchten. Doch als sie Kostas beim Nacktbaden erwischt, kommt es zu einem Mißverständnis. Tibby ist die einzige, die zu Hause bleibt und jobben muß, um etwas Geld zu verdienen. Doch sie findet eine neue "Schwester", die ihr Zeit, wie wichtig es ist, das Leben ganz zu genießen, denn man weiß nie, wieviel Zeit man hat.

Ein bisschen mulmig ist den "Schwestern" vor diesem Solo schon, und so wollen sie in Kontakt bleiben. Eine Secondhand-Jeans passt auf magische Weise allen vieren wie angegossen - und wird von einer zur anderen auf die Reise geschickt. Sie ist das verbindende Element zwischen den vier jungen Frauen, die in diesem Sommer ganz unterschiedliche und intensive Erfahrungen machen mit der großen Liebe, der zweiten Heirat eines Elternteils, dem Tod einer geliebten Person und einer leichtfertig eingegangenen Beziehung.

"Eine für vier" kam in diesem Sommer (2005) unter dem Originalbuchtitel "The Sisterhood of the Traveling Pants" in die amerikanischen Kinos. Die Zielgruppe des Buches sind (weibliche) Teenager ab ca. 12 Jahren, und für diese ist es auch die passende Lektüre (vorzugsweise zum Sommerurlaub). Es läßt sich sehr gut lesen, bietet nette Unterhaltung ohne allzuviel Tiefgang oder Alltagsproblematik - aber wenn man unter die Oberfläche dieses "netten" Buches schaut, erkennt man, daß darin doch wunderschöne und teils bewegende Lebensweisheiten verborgen sind: "Ich habe Angst vor der Zeit. Ich meine, ich habe Angst davor, nicht genug Zeit zu haben. Nicht genug Zeit, um die Menschen zu verstehen, um zu verstehen, wie sie wirklich sind, und um selbst verstanden zu werden. Ich habe Angst vor den schnellen Urteilen und vor den Fehlern, die jeder macht. Das lässt sich ohne Zeit nicht wieder gutmachen. Ich habe Angst davor, nur Momentaufnahmen statt Filme zu sehen."

Ein ideales Buch für Teenies, die an die wahre Freundschaft zwischen Mädels glauben, ohne die das Leben nur halbso spannend ist! Und eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, das Leben ganz auszukosten und Risiken einzugehen.