Im Königreich Kyralia herrscht die Gilde der Schwarzen Magier
mit eiserner Hand. Einmal im Jahr führen die Magier eine "Säuberung"
durch, in deren Verlauf alle Bettler, Obdachlosen und unerwünschten
Elemente aus Imardin, der Hauptstadt des Landes, geschafft werden.
Sonea ist ein junges Mädchen, dass seit dem Tod ihrer Eltern
bei ihrem Onkel und ihrer Tante lebt - und zwar nach der Vertreibung
aus ihrem Haus im Armenviertel der Stadt. Sie schließt sich einer
Gruppe von Freunden an, die gegen die grausame Praxis der Säuberung
aufbegehren. Als Sonea voller Wut einen Stein nach einigen Magiern
wirft, geschieht das Unfassbare: Ihr Stein durchschlägt den magischen
Schutzschild der Männer und trifft einen von ihnen am Kopf. Das
kann jedoch nur eines bedeuten: Sonea verfügt über eine unentdeckte
magische Begabung.
In der Gesellschaft Imardins ist die Magie nur den oberen Schichten vorbehalten; dass ein Straßenmädchen derartige Fähigkeiten besitzt, ist ein nie dagewesenes Ereignis, das die ehrwürdige Gilde der Magier in ihren Grundfesten erschüttert. Aus Furcht davor, getötet zu werden, flieht Sonea mit ihrem Freund Cery in die unterirdischen Tunnel, die von der Vereinigung der Diebe beherrscht werden.
Zugleich machen sich die Magier Dannyl und Rothen auf die Suche nach dem Mädchen. Denn ohne eine entsprechende Ausbildung läuft Sonea Gefahr, aus Versehen die gewaltige Zerstörungskraft ihrer magischen Gabe zu entfesseln ...
* * *
"In Imardin, so heißt es, habe der Wind eine Seele und pfeife heulend durch die schmalen Straßen der Stadt, weil das, was er dort finde, ihn mit Trauer erfülle. Am Tag der Säuberung heulte der Wind durch die schwankenden Masten der Schiffe im Hafen, peitschte durch das Westtor und schrie die Gassen hinunter. Dann verstummte er plötzlich, bis nur noch ein Wimmern zu hören war, als seien ihm die zerfetzten Seelen, die ihm entlang des Weges begegneten, eine unerträgliche Qual."
Schon der erste Absatz des 1. Bandes der Trilogie "Die Gilde der Schwarzen Magier" hat meine Neugier und meine Begeisterung geweckt, wenn auch die weitere literarische Qualität des Buches das anfängliche Versprechen nicht halten kann. Es wird weniger poetisch, und die australische Autorin Trudi Canavan begeht einen Fehler, den erstaunlicherweise viele (junge) Autoren begehen: Sie vergessen über der eigentlichen Geschichte deren "Verpackung": Wie sehen die Fantasywelten aus? Wie sehen die handelnden Personen aus? Wie sagen, tun sie etwas? Wie riecht oder klingt etwas? Die Geschichte spielt in einer eher mittelalterlichen Welt mit mittelalterlichen "Stadtsystemen" - aber wie sehen diese im Detail aus? Wenn es denn doch Beschreibungen gibt, wirken diese redundant und wenig einfallsreich. Ständig wird gekichert, unablässig wird erwähnt, dass etwas schmutzig ist ... Dies fällt ansatzweise schon in "Die Rebellin" aus, wird aber in den beiden Folgebänden noch stärker ausgeprägt sein.
Canavan erfindet die Fantasy auch nicht neu, und die Tatsache, dass man zwar grundsätzlich erfährt, dass z. B. ein Wärmezauber gewirkt wird oder dass jemand Heilpflanzen sammelt, aber nicht, wie dies im Einzelnen geschieht bzw. welche magischen Methoden angewandt werden, spricht eher dagegen, die Serie zu lesen. Die Bücher kommen m. E. einfach nicht aus dem Jugendbuchsektor einfach heraus, weil die Kyralia-Welt ausgesprochen schwarz-weiß ist und Figuren schon bei ihrer Einführung ein für alle Mal in eine Schublade gesteckt werden und ich auch so manches Mal nicht nachvollziehen konnte, warum Person A plötzlich einen Sinneswandel erlebte ...
Dass ich nach all der Kritik die Trilogie dennoch verschlungen habe, ist dem Charme der zentralen Figuren zu verdanken und dass ich immer wieder doch gespannt war auf die Auflösung des Ganzen.
Mein Fazit: Sehr unterhaltsam, aber primär für Einsteiger in die Fantasyliteratur bzw. für ein jüngeres Publikum geeignet.