Pilar und ihr Jugendfreund (dessen Name nie genannte wird) haben ihre Kindheit und Jugend miteinander verbracht, bis er irgendwann seine Heimatstadt Soria verläßt, "um die Welt kennenzulernen" und seine Träume zu verwirklichen. Während der folgenden Jahre haben die beiden nur noch sporadisch Kontakt, und Pilar beginnt, sich ihr eigenes Leben einzurichten und Jura zu studieren. Plötzlich erhält sie eine Karte von ihm, in der er sie einlädt, nach Madrid zu kommen, wo er einen Vortrag hält.
Pilar willigt ein zu kommen, beschließt aber für sich, sich nicht mehr von ihren Gefühlen überwältigen zu lassen - sie hat bereits einen festen Plan, wie ihr Leben auflaufen wird; es wird ein ruhiges Leben sein mit Kindern und Enkeln, ohne Schulden und mit Urlaub einmal im Jahr. Und außerdem:
"Ich weiß, daß die Liebe wie ein Staudamm ist: Läßt man nur den geringsten Haarriß zu, durch den das Wasser dann dringt, wird der Damm irgendwann brechen, und niemand wird die Gewalt der Wassermassen kontrollieren können. Wenn die Wände einstürzen, überschwemmt die Liebe alles. Dann kommt es nicht mehr darauf an, ob etwas möglich ist, dann geht es nicht mehr darum, ob wir den geliebten Menschen an unserer Seite halten können - lieben heißt die Kontrolle verlieren."
Doch natürlich kommt es anders. Pilar kehrt nicht in das verträumte Saragossa zurück, sondern begibt sich mit dem Seminaristen (wie sie zu ihrem Schrecken erfährt) auf eine Pilgerfahrt nach Lourdes. Beide müssen auf dieser Fahrt vieles hinter sich lassen bzw. überwinden: ihre Angst vor dem Neuen, ihre Bindung an Gewohntes, Kontrollverluste, Aufgeben von Träumen ...
Während der Seminarist schließlich bereit ist, ihr zuliebe auf seine Berufung zu verzichten, verzichtet Pilar wiederum, damit er seiner Berufung folgen kommt. Doch schließlich kommt alles ganz anders ...
"Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte" ist der erste Teil einer Trilogie (deren Einzelteile jeweils in sich abgeschlossen sind - "Veronika beschließt zu sterben" und "Der Dämon und Fräulein Prym") von Paulo Coelho über die Kräfte, die die Welt bewegen. Wie schon im "Alchimist" gelingt es Coelho auch hier, grundlegende Lebensweisheiten und -erfahrungen zu vermitteln, und das im Rahmen einer wunderschönen Liebesgeschichte. Ein wenig seltsam (und für jemanden, der nicht katholisch ist, sehr befremdlich) ist jedoch das geschilderte Marienbild (Maria als Teil der Dreieinigkeit, als Mutter-Göttin), das an das Bild der Göttin aus den Naturreligionen oder der keltischen Mythologie angelehnt ist.