Michael Crichton: Beute [Prey]

Elrod
Nachdem ihn sein alter Arbeitgeber gefeuert hat, hat der Biotechnologe Jack Forman die Rolle des Hausmannes übernommen und kümmert sich um die Erziehung seiner drei Kinder, während seine Frau Julia als Beraterin im Unternehmen Xymos arbeitet. Nach einer Weile muß Jack jedoch feststellen, daß seine Frau übermäßig viele Überstunden macht und sich auch vom Wesen her verändert hat. Daher nimmt er an, daß sie eine Affäre hat, während sie vorgibt, daß sie lediglich aufgrund eines Wissenschaftlichen Durchbruches bei Xymos stark eingespannt sei. Jack beschließt, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und sich einen Job zu suchen, als sich herausstellt, daß es mit einem "Produkt", das er entwickelt hat und das an Xymos verkauft wurde, Schwierigkeiten gibt.

Flirrende Hitze nimmt Jack fast den Atem, als er einige Stunden später aus dem Helikopter steigt. Vor ihm liegt, mitten in der Wüste von Nevada, die Forschungsstation des Unternehmens Xymos. Das Nanotechnologie-Unternehmen stellt - wie er nun erfährt - im Auftrag des Pentagons Miniaturkameras für die Kriegsführung her, die auf der Struktur von Bakterien aufbauen. Aber dem Forscherteam ist bei der Produktion ein folgenreicher Fehler unterlaufen: Nach Aussage des leitenden Mitarbeiters sind über Wochen hinweg mutierte Mikorroboter aus dem Labor durch einen unzureichend abgedichtetes Lüftungsrohr in die Wüste entwichen. Jack, der das Computerprogramm erfunden hat, soll nun ein neus Programm entwickeln, denn die winzigen Partikel sind völlig außer Kontrolle geraten. Unermüdlich finden sie sich zu einem Schwarm zusammen, der Kaninchen und Kojoten jagt.

Doch Jack erkennt rasch, daß man ihm nicht die ganze Wahrheit sagt. Dem Killerschwarm ist es mittlerweile gelungen, zu mutieren, sich fortzupflanzen und sich weiterzuentwickeln, so daß es die Wissenschaftler mittlerweile mit mehreren Schwärmen zu tun hat, die schließlich in cleveren Kampfformationen auch Menschen jagt. Und so müssen Jack und die Wissenschaftler fast hilflos mitansehen, wie die Killerschwärme ihre Opfer töten, um in den Kadavern ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Allerdings muss Jack ebenfalls sehr schnell feststelllen, daß einige der Wissenschaftler auf der Forschungsstation seinen Kampf gegen die Todesschwärme absichtlich behindern, während die Mutationen draußen in der Wüste Ausmaße annehmen, die zu einer Bedrohung für die gesamte Menschheit werden. Doch erst als er den Kampf besiegt zu haben glaubt, erkennt er die wahre Bedrohung ...

Michael Crichton wurde vor allem durch den Roman "Jurassic Park" bekannt und widmet sich in "Beute" einem seit einiger Zeit relevanten wissenschaftlichen Thema: der Nanotechnologie - und hier vor allem ihren Gefahren, wenn auch im Gegensatz zu Stanislaw Lem in "Der Unbesiegbare" nicht auf eine tiefgründige und zum Nachdenken anregende, sondern "lediglich" auf eine unterhaltsame, spannende Weise. Aber das macht er wirklich gut. Durch die Angabe der Daten und Uhrzeiten sowie durch die Verwendung vorwiegend kurzer Sätze sorgt der Autor für einen schnellen Erzählfluß und viel Action. Die Handlung selbst ist sicher nichts Neues (ein normaler Bürger wird in seiner heilen Welt gestört, bäumt sich auf, besiegt in einem - wenn auch nicht unbedingt sehr realitätsnahen - Kampf den übermächtigen Feind und rettet damit die Welt. Es kommt weder auf die Dialoge noch auf die Beschreibungen an - Crichton gelingt es jedoch, Andeutungen, vermeintliche "Träume" und wissenschaftliche Ausführungen so zu mischen, daß von den ersten Seiten an eine gewisse Spannung entsteht, der man sich nicht entziehen kann. Man ahnt als Leser, woher die Gefahr kommt, doch auf die Auflösung muß man eine ganze Weile warten. Und bis dort hin wird man sehr gut unterhalten.