Becca Fitzpatrick: Hush, hush (Engel der Nacht)

Forman
Als Nora ihm zum ersten Mal begegnet, weiß sie gleich, dass seine tiefschwarzen Augen mehr verbergen als offenbaren: Patch wirkt geheimnisvoll, fast unheimlich auf sie, und Nora ist zutiefst fasziniert von seiner rätselhaften Ausstrahlung. Doch zugleich macht Patch ihr auch Angst. Denn immer öfter hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden, und sie wird den Verdacht nicht los, dass Patch etwas damit zu tun haben könnte. Irgendetwas scheint mit ihm nicht zu stimmen. Wo kommt er her, warum fühlt sie sich so sehr zu ihm hingezogen – und diese Narbe auf seinem Rücken, was hat sie zu bedeuten?

Aber das ist nicht das Einzige, das ihr das Leben gerade schwermacht: Ein Unbekannter mit einer Skimaske läuft ihr vors Auto, jemand durchwühlt ihr Schlafzimmer, und auch sonst wird sie das Gefühl nicht los, dass jemand sie verfolgt. Steckt Patch dahinter?

Immer tiefer wird Nora verstrickt in Ereignisse, in denen Himmel und Hölle ganz nah beieinander liegen ...

* * *

Im Englischen gibt es das Sprichwort "Never judge a book by its cover" - und wenn es ein Buch gibt, auf das dies zutrifft, dann "Hush, hush", den Debütroman von Becca Fitzpatrick. Und zwar im negativen Sinne. "Hush, hush" (das Buch wird im August unter dem Titel "Engel der Nacht" auf Deutsch erscheinen) gehört in den derzeit so beliebten Bereich der Urban Fantasy - und da Engel "the next big thing" sind, nachdem die Vampiridee (bis auf ganz wenige Ausnahmen) mittlerweile ausgesprochen ausgelutscht ist (pun intended), ist der Love Interest unserer Ich-Erzählerin natürlich auch ein Engel, wenn auch ein gefallener.

Der Roman gehört in die allzeit beliebte "Nettes Mädchen von Nebenan verliebt sich in einen Bad Boy"-Schublade. Denn im Grunde hat man die in "Hush, hush" erzählte Geschichte schon hundertmal in dieser und anderen Variationen gelesen. Die Autorin bietet darüber hinaus auch nichts Neues. Die Figuren sind schablonenhaft, entwickeln sich überhaupt nicht und haben so wenige Ecken und Kanten, so wenig Tiefgang, dass ich mich die ganze Zeit fragte, warum er sich wohl in sie verliebt. Sie ist weder besonders hübsch noch clever, noch besitzt sie irgendwelche Fähigkeiten. Auch ist sie im Gegensatz zu anderen Heldinnen solcher Romane noch nicht einmal besonders schlagfertig. Himmel, bis zum Ende hatte ich noch nicht einmal das Gefühl, dass er sich um sie bemüht bzw. sorgt, weil er in sie verliebt ist. Er ist unablässig widerlich zu ihr - es gibt nicht eine Szene, die auch nur darauf hindeuten würde, dass es da auch nur den Funken Romantik geben könnte. Klar ist, dass er etwas von ihr will (was, erfährt man ja am Ende), aber dass er für sie sein Leben geben würde - dafür bietet der Roman nicht wirklich eine vernünftige oder zumindest glaubwürdige Erklärung. Und auch andersherum gilt: Warum sollte sie bereit sein, sich für ihn zu opfern? Bis zum Ende des Buches weist nichts darauf hin, dass er die große Liebe ihres Lebens (oder ähnliches) ist. Es ist nicht so, dass die Chemie zwischen den beiden nicht stimmt - es gibt überhaupt keine Chemie! Oder um es mit einer anderen Rezensentin des Buches zu sagen: "If the heroine is afraid of the hero for most of the book, and the hero even WANTS to hurt the heroine for most of said book, romance isn't the word that comes to mind. Psycho works better." Amen, Schwester.

Auch die praktisch nicht wirklich existente Handlung selbst ist austauschbar und entspricht im Grunde dem, was man derzeit in Dutzenden von All-Age-Romanen aus dem Bereich Fantasy/Urban-Fantasy/Contemporary Fantasy findet. Nettes Mädchen von Nebenan verliebt sich in einen Bad Boy (siehe oben). Die Autorin macht sich noch nicht einmal die Mühe, eine ordentliche Mythologie zum Thema "Gefallene Engel" zu entwickeln bzw. zu beschreiben. Sie lässt ihre Heldin schlicht eine Reihe unerklärlicher Erlebnisse machen, den Helden im einen Kapitel mal schrecklich anziehend, im nächsten schrecklich furchterregend finden - was streckenweise sehr redundant und langweilig wirkt. Und dann liefert sie uns einen Showdown, der so gehetzt wirkt (aber gleichzeitig so unglaublich oberflächlich geschrieben ist), dass man den Eindruck bekommt, ihr sei kurz vor Schluss eingefallen, dass ihr Buch zu lang werden würde, wenn sie die Ereignisse angemessen beschriebe.

Mein Fazit: Spart euch euer Geld lieber für ein wirklich gutes Buch auf!

PS: Falls jemand eine Idee hat, warum der Roman den Titel "Hush, hush" trägt - ich wäre sehr interessiert, das zu erfahren ... Mir erschließt er sich nämlich nicht.

PPS: Bitte unbedingt auch diese Rezension lesen! Wirklich, es lohnt sich.