Karen Joy Fowler: Der Jane Austen Club

Elrod
Sechs Menschen treffen sich, um gemeinsam die sechs Romane von Jane Austen zu lesen. Sechs Menschen - das sind in diesem Falle fünf Frauen und ein Mann. Die Tatsache, dass ein Mann Jane Austen liest, ist für den Rest des Literaturclubs durchaus ungewöhnlich, und so wird Grigg zunächst etwas misstrauisch beäugt, vor allem, da er im Grunde kein "richtiger" Jane-Austen-Fan ist, sondern ein Liebhaber von Science-Fiction.

Jocelyn, die diesen Club ins Leben gerufen hat, ist Anfang fünfzig, züchtet Hunde, ist überzeugter Single und frönt seit ihrer Jugend dem "Hobby", ihr Freundinnen an den Mann zu bringen. Sie ist es auch, die Grigg auf einer Science-Fiction-Convention kennengelernt und eingeladen hat, an der Leserunde teilzunehmen, hat sie ihn doch für ihre Freundin Sylvia ins Auge gefaßt, die gerade nach 30 Ehejahren von ihrem Mann verlassen wurde. Ihre Tochter Allegra, eine überzeugte Lesbe, die ebenfalls gerade von ihrer Lebenspartnerin verlassen wurde, nimmt ebenfalls am Club teil. Im Gegensatz dazu ist die Französischlehrerin Prudie, mit 28 Jahren die Jüngste in der Runde, mehr oder weniger glücklich verheiratet. Und Bernadette, mit 67 Jahren die Älteste, war es bereits mehrfach.

In den Kapiteln von Karen Joy Fowlers Roman "Der Jane Austen Club" werden nacheinander die sechs Romane von Jane Austen im Literaturclub besprochen, wobei die Treffen immer von anderen Teilnehmern ausgerichtet werden bzw. die Gesprächsleitung bei unterschiedlichen Mitgliedern liegen. Auf diese Weise richtet sich das Augenmerk des Lesers auf jeweils ein Mitglied des Clubs, und so erfährt man die Lebens- und Liebesgeschichten der Protagonisten, die sich ein wenig im literarischen Werk von Jane Austen widerspiegeln.

"Der Jane Austen Club" war im Frühjahr 2005 ein großer Verkaufsschlager im angelsächsischen Raum. Ansatzweise kann ich dies nachvollziehen, denn das Buch liest sich gut, ist sehr bezaubernd und voller Charme. Doch etwas Besonderes ist es eigentlich nicht, denn Romane bzw. Filme, in denen es um Frauenfreundschaften geht und unterschiedliche Lebens- bzw. Liebesgeschichten erzählt werden, gibt es unzählige ("Eine für alle", "Der amerikanische Quilt" etc.). Der Aufhänger "Jane Austen" ist ungewöhnlich, doch wer hofft, mehr Tiefgreifendes über die Romane der beliebten englischen Autorin zu erfahren, wird enttäuscht. Auch hat Fowlers Roman keinesfalls den Charme sowie den spritzigen, teilsweise spitzen Humor der Austen-Romane sowie ihr zeitloses Identifikationspotential. Dennoch kann ich das liebevoll geschriebene Buch sehr empfehlen - ein ideales Buch für Frauen, die "leise" Romane lieben und Jane Austen verfallen sind.

Der ungewöhnlichste Teil des Romans ist sicher sein Anhang. Dort werden zum einen fiktive Fragen aufgelistet, die die einzelnen Protagonisten für "ihren" Roman vorbereitet hatten und die zum Teil überhaupt nichts mit Austens Werk, sondern vielmehr mit dem Leben des jeweiligen Protagonisten zu tun haben. Mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Zum anderen erfährt man dort sehr viel über die Inhalte der einzelnen Austen-Romane sowie darüber, wie diese von ihren Zeitgenossen sowie seit ihrem Erscheinen bis heute von Kritikern, Schriftstellerkollegen, Verehrern und Widersachern aufgenommen wurden. Und spätestens hier kommt man als Austen-Fan auf seine Kosten.