Kate Furnivall - Die russische Konkubine

McDermid Russland, Winter 1917: Die Revolution fordert ihren Blutzoll, und wie viele aristokratische Familien, so muss auch die 5-jährige Lydia mit ihren Eltern - der russischen Pianistin Valentine und dem Dänen Jens Friis - das Land verlassen. Kurz vor der chinesischen Grenze jedoch nehmen Soldaten Lydias Vater gefangen und führen ihn zur Exekution ab.

Tschangschu, Nordchina, Sommer 1928: Trotz der Fremde und Armut ist Lydia zu einer selbstbewussten jungen Frau herangewachsen. Sie hat zwar ein Stipendium für eine Eliteschule, scheut aber keine Gefahr, um sich und ihre Mutter mit Geld und Essen zu versorgen. Darüber hinaus interessiert es sie jedoch wenig, was um sie herum vorgeht. Valentina selbst kümmert sich nur wenig um ihre Tochter und verfällt immer wieder ihren Depressionen und ihrer Alkoholsucht. Und obwohl die beiden Frauen in China leben, haben beide nur in geschäftlichen Belangen Kontakt zur Bevölkerung. Alle anderen Kontakte sind für die fanqui undenkbar.

Als der junge Chinese Chang An Lo bei einem Überfall das Leben rettet, verändert sich dies jedoch abrupt. Chang ist Kommunist und kämpft gegen die Truppen von Tschiang Kai-scheks, wird aber auch von dem Geheimbund der Schlange verfolgt. Dadurch bekommt auch Lydia eine Vorstellung von dem, was um sie herum vorgeht und wie sehr die politische Atmosphäre des Landes aufgeheizt ist. Sie beginnt auch, sich wieder für ihr Heimatland zu interessieren, zu dem sie all die Jahre keinerlei Bezug hatte, da ihre Mutter sie aus Hass darauf nicht einmal dessen Sprache gelehrt hatte.

Und das Undenkbare geschieht: Die beiden jungen Leute verlieben sich ineinander, und schon bald befindet sich auch Lydia in Lebensgefahr, als man Jagd auf sie macht, um Chang zu fangen.

"Die russische Konkubine" ist der Erstlingsroman der Britin Kate Furnivall und basiert (zumindest in groben Zügen) auf der Lebensgeschichte ihrer Großmutter. Der Roman ist packend und sehr gut lesbar geschrieben, sodass man ihm am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die Figuren sind nicht nur einfache Schemen, sondern lebensecht geschildert, sodass man ihr Handeln und ihre Emotionen nachvollziehen kann.

Größtes Manko des Buches ist jedoch, dass es zwar ein historischer Roman ist, der tatsächliche politische und gesellschaftliche Geschehnisse schildert, die jedoch erstaunlich vage bleiben. Am Ende des Romans hatte ich nur wenig das Gefühl, die chinesische Mentalität oder das Leben der Kolonialmächte in China selbst nachvollziehen zu können. Gerade aufgrund dieser Exotik hätte ich mir mehr erwartet. Auch den Titel selbst finde ich nicht gelungen - Lydia kann damit nicht gemeint sein, ist sie doch keine Konkubine. Daher vermute ich, dass ihre Mutter Valentine gemeint ist. "Konkubine" erscheint mir jedoch im Hinblick auf deren Lebenswandel etwas hochgegriffen. Abgesehen davon, dass sie nicht die Hauptfigur des Romanes ist.