Neil Gaiman - Niemalsland

Heitz
Unter den Straßen Londons gibt es in verlassenen U-Bahnhöfen und Geisterzügen, Katakomben und Kanälen eine bizarre Welt zwischen Wirklichkeit und Traum - bevölkert von Ungeheuern und Heiligen, Mördern und Engeln, Rittern in eiserner Rüstung und leichenblassen Schönheiten in schwarzem Samt. Doch der junge Londoner Richard Mayhew weiß - wie die meisten anderen Bewohner von Ober-London - nichts davon, als er eines Abends mit seiner Freundin essen gehen will und stattdessen einem fremden Mädchen hilft, das er verletzt auf der Straße findet. Er nimmt sie mit zu sich nach Hause, um ihr zu helfen - und schon findet er sich in einem völlig neuen Leben wieder.

Ihr Name ist Door, sie besitzt die Fähigkeit, jede Tür zu öffnen und Türen entstehen zu lassen, wo keine sind. Sie erzählt ihm, dass ihre Familie ermordet wurde, und bittet ihn darum, den Marquis de Carabas um Hilfe zu ersuchen. Als Door mit dem Marquis verschwunden ist, löst sich Richards Leben zunehmend auf: Seine Kollegen erkennen ihn nicht mehr, seine Bankkarte funktioniert nicht mehr, seine Freundin weiß auch nicht, wer er ist, und in seine Wohnung zieht ein neues Pärchen ein. Und auch sonst scheint ihn eigentlich niemand mehr wahrnehmen zu können.

Richard begibt sich daraufhin auf den gefährlichen Weg nach Unter-London, um Door wiederzufinden - und sein altes Leben ... Auf seiner Fährte und auf der Suche nach Door sind jedoch auch Mr Croup und Mr Vandemar, die dabei im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen.

"Niemalsland" ist die Romanumsetzung der BBC-Serie Neverwhere aus dem Jahre 1996, für die Gaiman auch das Drehbuch schrieb. Der Roman erschien im selben Jahr, nachdem bereits Folgen der Serie ausgestrahlt worden waren. Während die Serie nicht sehr erfolgreich war, verkaufte sich Niemalsland so gut (auch in andere Sprachen), dass 2006 eine überarbeitete Fassung erschien.

"Niemalsland" ist eine wunderbare Mischung aus Horror, Humor und Fantasy. Gaiman schildert einen fantastischen, ungemein bizarren Trip in eine Welt, die angefüllt ist mit Ungeheuern, vampirähnlichen Lamien, die sich von der Lebensenergien der Menschen ernähren, zwei brutale, aber gar nicht so unsympathische Killer, die schon in Troja und bei der Pest ihre Hände im Spiel hatten, ein Engel - und die Londoner U-Bahn, deren Stationen unbekannte Welten und Wesen bergen. Der Autor hat einen flotten Schreibstil (leider nur in Ansätzen so humorvoll und abgefahren wie Terry Pratchett), malt eine kreative Story und schildert glaubwürdige Figuren, die auch tatsächlich in dieser Weise existieren könnten.

Fazit: Es macht wirklich Freude, das Buch zu lesen - wenn (zumindest bei mir) auch das Gefühl zurückbleibt, dass die Geschichte noch nicht vollständig ist.