Jane Austen und Seth Grahame-Smith: Pride and Prejudice and Zombies

Austen
"It is a truth universally acknowledged that a zombie in possession of brains must be in want of more brains." Mit diesen Worten beginnt die erweiterte Ausgabe des bekannten und beliebten Klassikers von Jane Austen - die nun neben scharfzüngigen Dialogen, einer humorvollen Beschreibung der zeitlosen Jagd nach einem Ehemann auch noch viel Zombie-Action enthält.

Als sich dem Leser die Tür in das Britannien am Beginn des 19. Jahrhunderts öffnet, wurde die Insel vor nicht langer Zeit von einer mysteriösen Plage befallen: Die Toten kehren ins Leben zurück. Hungrig. Sehr hungrig. Aber Elizabeth Bennet (und ihre Schwestern) ist nicht nur eine selbstbewusste junge Frau, die genau weiß, was sie will, sondern auch eine begnadete Kämpferin, deren Berufung es ist, gegen die Zombie-Bedrohung anzukämpfen. Daher führt die Ankunft des arroganten (und in Zombie-Angelegenheiten ebenfalls sehr geschickten) Mr Darcy nicht nur zu bissigen Dialogen zwischen den beiden zukünftigen Liebenden, sondern auch zu einigen Blutbädern im beschaulichen Meryton und an anderen Orten, an die die beiden ihr Weg führt. Und so stellt sich nun nicht mehr nur die Frage, ob es den beiden gelingen wird, die gesellschaftlichen Hindernisse aus dem Weg zu räumen, sondern auch ob es ihnen gelingt, die Brut Satans zurückzudrängen.

Man braucht schon einen ausgesprochen großen Sinn für Humor, um "Pride and Prejudice and Zombies" zu lesen und Gefallen daran zu finden. Die "Überarbeitung" des britischen Klassikers (der zu meinen absoluten Lieblingsromanen zählt) durch den Amerikaner Seth Grahame-Smith verlangt einem Fan von Jane Austen eine Menge ab, und lässt ihn schwanken zwischen "Blasphemie!"-Rufen einerseits und lautem Gelächter oder angewidertem Gesichtsausdruck angesichts detaillierter Zombie-Aktivitäten andererseits.

Der Autor hat einerseits zahllose Dialoge und Handlungsstränge unverändert übernommen, andere leicht oder stärker überarbeitet - und dann noch einen ganzen Zombie-Handlungsstrang neu hinzugefügt. So brennt z. B. Lydia weiterhin mit Wickham durch und wird "zwangsverheiratet". Andererseits schlägt jedoch Mr Darcy Wickham als Strafe für dessen Untaten so schwer zusammen, dass dieser bis ans Ende seines Lebens auf die Unterstützung seiner jungen Frau angewiesen sein wird - und beschließt, Priester zu werden.

Positiv fällt daher definitiv die Kreativität des Autors ins Auge, seine Freude an absurden, wahnsinnig komischen Stories und ekligen Massakern. Andererseits muss man jedoch feststellen (wenn man das Ganze denn ernst nähme), dass der Charme des ursprünglichen Buches völlig verloren geht. Die neuen Handlungsstränge haben auch rein sprachlich nicht die Qualität des Originals. Daher ist die "erweiterte Bearbeitung" des Klassikers nicht wirklich für Leser geeignet, die das Originalwerk lieben; selbst die, die modernen Adaptionen auch einmal eine Chance geben, werden sie wohl bald zur Seite legen. Geeignet ist die Überarbeitung wirklich nur für "verrückte" Zeitgenossen - oder experimentierfreudige Lehrer, die nach neuen Wegen suchen, wie sie ihren gelangweilten Schülern Klassiker nahebringen können. .