Batya Gur - Denn am Sabbat sollst du ruhen

Gur Universität Jerusalem, Psychoanalytisches Institut: An einem Sabbatmorgen wird die berühmte Analytikerin Eva Heidorf erschossen aufgefunden, das Manuskript ihres angekündigten Vortrags ist verschwunden. Für Inspektor Michael Ochajon von der Jerusalemer Kriminalpolizei erweist sich dieser Fall als eine der bislang größten Herausforderungen seiner Laufbahn. Zum einen fehlt vom Täter jede Spur. Zum anderen erweist sich auch das Umfeld der Ermittlungen als äußerst heikel. Alle Verdächtigen sind ehrenwerte Mitglieder der Jerusalemer Psychoanalytischen Gesellschaft und mit der Toten in einem engen Netz gegenseitiger Abhängigkeiten verstrickt - zum Teil sind sie ihre Lehrer, zum Teil Kollegen, zum Teil aber auch Patienten.

Die Ermittlungen gestalten sich daher ausgesprochen schwierig: Die Analytiker zögern nicht, ihre wahren Gefühle über die ermordete Kollegin zu äußern, behalten jedoch auch gleichzeitig vieles für sich. Darüber hinaus ist der Mörder den Ermittlern offenbar immer einen Schritt voraus - ob es um die privaten Akten von Neidorf geht oder ihre Steuerunterlagen: Wann immer die Beamten sich Hinweise zu finden erhoffen, müssen sie feststellen, das jemand bereits vor ihnen da war und die Unterlagen entwendet hat.

Schließlich kristallisiert sich heraus, dass es bei Neidorfs Vortrag offenbar um einen Kollegen ging, der eine nicht angemessene Beziehung zu einem Patienten hat. Doch um welchen Kollegen handelt es sich dabei?

Batya Gur, geboren 1947 in Tel Aviv, arbeitete zunächst als Lehrerin und Journalistin, bevor sie sich mit ihren Ochajon-Romanen internationalen Ruhm erschrieb. Ihr erste Buch, "Denn am Sabbat sollst du ruhen", wurde mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Der Roman unterscheidet sich deutlich von den gängigen Werken ihrer (amerikanischen und englischen) Schriftstellerkollegen, da die Autorin völlig auf grausame, unappetitliche Details von Ermordungen verzichtet, sondern sich vielmehr auf die inneren Vorgänge ihres Helden (Inspektor Michael Ochajon) sowie auf die Lösung des Falles beschränkt. Sie vermittelt auch ein detailreiches Bild der Arbeit der Kriminologen und des Milieus der Psychoanalytiker. Darüber hinaus zeichnet sie auch zumindest ansatzweise ein realistisches Bild von Leben und Politik in Israel und den dortigen Gepflogenheiten. Der Sprachstil ist sicherlich weniger reißerisch und dafür etwas behäbiger und anspruchsvoller. Darüber hinaus hetzt sie den Leser nicht durch die Geschichte, sondern bremst die Handlung auch immer wieder aus und lässt ihren Helden seitenweise Gespräche mit den unterschiedlichen Figuren führen - man muss also stellenweise einen langen Atem haben, um am Ball zu bleiben.