Markus Heitz - Die Mächte des Feuers

Heitz
Ein alternatives Europa, 1925: Die Historie der Menschheit ist etwas anders verlaufen, als wir sie kennen: Die Revolutionen bzw. Aufstände in Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland sind etwas anders verlaufen, und so werden diese Nationen noch heute von Königen und Zaren regiert. Hingegen ist der technische Fortschritt schon etwas weiter vorangeschritten, und das ist auch gar nicht so schlecht, denn nicht nur die royalen Herrscher haben überlebt, nein, auch die Nachfahren der Dinosaurier treiben noch auf dem Land, im Wasser und in der Luft überall auf der Welt ihr Unwesen: die Drachen. Eine Abteilung der katholischen Kirche - das Officium - hat sich ganz dem Kampf gegen die Ungeheuer verschrieben und sendet die Nachfahren der sogenannten christlichen Drachenheiligen aus, um auf unterschiedlichste Weise den Ungeheuern den Garaus zu machen.

Auch Silena ist eine Drachentöterin - sie ist eine Nachfahrin des Heiligen Gregor und jagt die Drachen in pfeilschnellen Jagdflugzeugen. Als ihre beiden Brüder - vermeintlich - durch einen Angriff von Drachen ums Leben kommen, verlangt das Officium von Silena, dass sie die Drachenjagd aufgibt und stattdessen lieber für die Weiterführung ihrer Blutlinie sorgt. Doch Silena hat keine Lust, Hausfrau und Mutter zu werden, sie will nur eines: den Tod ihrer Brüder rächen.

Derweil braut sich über Europa großes Unheil zusammen. Nicht nur die Drachen haben augenscheinlich beschlossen, nicht länger im Verborgenen zu leben. Auch andere mystische Wesen treten plötzlich in Erscheinung. Mit Hilfe zweiter "Seher" begibt sich Silena schließlich in den Kampf ...

Markus Heitz gelingt es, Fantasy mit (einer veränderten historischen) Realität zu verschmelzen und den Leser durch eine actionreiche Geschichte zu jagen. Aber dennoch lässt sich das Gefühl nicht abschütteln, dass der Autor zu viel wollte. Sprechende Drachen (die auch noch weitere ungewöhnliche Fähigkeiten besitzen), Gargoyles, Seher bzw. Personen mit übersinnlichen Fähigkeiten, eine alternative Historie (wie man sie z. B. aus den Romanen von Jasper Fforde kennt), Love Story, Verschwörungstheorie, viele Handlungsstränge, die nicht aufgelöst werden ... All das steht gleichberechtigt nebeneinander und buhlt um die Aufmerksamkeit des Lesers, sodass immer wieder die Gefahr gegeben ist, dass dieser entweder den Anschluss verpasst und sich bis zum Ende nicht von seiner Verwirrung erholt - oder ganz aufgibt und das Buch in die Ecke wirft.

Auch geht die Kreativität des Autors leider oft auf Kosten der Charakterdarstellung. Eigentlich bleiben alle Figuren relativ eindimensional, und man weiß als Leser nicht so recht, mit wem man denn nun "mitfühlen" soll/darf/muss. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Silena die Hauptfigur des Buches ist, ist dies wenig befriedigend, da diese Figur sehr künstlich agiert und man ihr deutlich abspürt, dass sie von einem Mann erdacht wurde. Ihr Verhalten entspricht nur wenig dem einer "richtigen" Frau (selbst wenn man davon ausgeht, dass Silena nur eine Romanfigur ist oder - etwas wohlwollender - eine Frau in einem "Männerberuf"). Alle anderen Figuren sind noch viel flacher geschildert ...

Fazit: Das Buch ist nettes "Popcornkino": Unterhaltsam, aber mit geringem Nährwert.