Markus Heitz - Sanctum

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Südfrankreich, 1767: Auf der Jagd nach den Werwölfen, die das Gévaudan heimsuchen, hat Jean Chastel seinen Sohn Antoine, der ebenfalls infiziert war, schließlich getötet. Sein zweiter Sohn, Pierre, kam in dem Feuer im Kloster um, das von einem vatikanischen Jesuiten-Legatus gelegt wurde, der auch alle Nonnen ermorden ließ. Nur Gregoria, die Äbtissin und Geliebte von Jean Chastel, hat überlebt. Sie ist die einzige Zeugin der Ereignisse und auch die Einzige, die weiß, dass ihr Münden Florence seit ihrer Geburt eine Werwölfin ist. Grund dafür ist ihr (Florences) Vater: François De Morangières, ebenfalls Werwolf.

Jean ahnt, dass es ihm nicht gelungen ist, alle Werwölfe zu töten. Er ist sicher, dass François ebenfalls infiziert ist. Als er erfährt, dass der junge Adlige nach Rom gereist ist, beschließt er, ihm zu folgen. Auch Gregoria bricht nach Rom auf - allerdings auf der Suche nach der (schwangeren!) Florence und mit dem Ziel, den Papst über die Taten des Jesuiten in Kenntnis zu setzen und den Heiligen Vater um Hilfe zu bitten. In Rom angekommen, muss die ehemalige Äbtissin erkennen, dass der Legatus Teil einer größeren Verschwörung ist, der es nur um eines geht: Die Menschen mit Hilfe der Werwölfe in Angst und Schrecken zu versetzen und wieder in die Arme der katholischen Kirche zu treiben - mit anderen Worten: ihren Einfluss zu stärken. Doch es gibt auch eine Gegengruppierung, die die Macht der Jesuiten brechen will. Sie bieten Gregoria an, die Äbtissin eines neuen Ordens zu werden: der Schwesternschaft vom Blute Christi. Mit der Unterstützung von Jean werden auserwählte Schwestern zu Jägerinnen ausgebildet, die ihre Kraft vom sogenannten Sanctum beziehen: dem Blute Christi, das man aus Reliquien gewinnt.

Europa, 2004: Nachdem die infizierte Lena von der Schwesternschaft entführt und nach Rom gebracht wurde, begibt sich auch der Werwolfjäger Eric von Kastell in die römische Hauptstadt. Die Schwestern bieten ihm an, Lena zu heilen und freizulassen, wenn Eric ihnen hilft, den letzten Werwolf zu finden und zu töten. Doch kann er den Schwestern wirklich vertrauen? Und was hat es mit Severina auf sich, die ihm immer wieder begegnet?

Markus Heitz greift in der Fortsetzung seines Romanes "Ritus" die beiden parallelen Handlungs- und Zeitsträngen der Werwolfgeschichte auf. Wieder greift er dabei historische Ereignisse auf - in diesem Fall die Auflösung des Jesuitenordens durch Papst Klemens XIV. im Jahre 1773 - und webt diese in eine spannende, actionreiche Handlung. Darüber hinaus zeigt sich Heitz' erzählerische Stärke auch in der Beschreibung des historischen Roms, das man als Leser regelrecht von seinem inneren Auge sehen kann. Von Kapitel zu Kapitel bewegt man sich erneut zwischen den unterschiedlichen Zeitsträngen, verliert aber durch Heitz' großartige Erzählkraft nie den Überblick, sondern stöhnt immer wieder auf, weil er den Helden des jeweiligen Stranges gerade in einem Cliffhanger zurücklässt. Man möchte eigentlich immer wieder rufen: "Pass auf!" oder: "Nein, tu das nicht!" (was die Figuren allerdings nicht davon abhält, von einer Falle in die nächste zu tappen). Dabei stehen beide Handlungsstränge gleichberechtigt nebeneinander und man leidet sowohl mit Jean als auch mit Eric, der übrigens in dieser Fortsetzung weitaus weniger der strahlende Held von Band 1 ist, sondern wesentlich mehr Tiefe gewinnt.

Kritisch anzumerken wäre lediglich, dass der Autor in "Sanctum" zu viele neue Figuren einzubringen versucht - Figuren, die viel Potenzial haben, aber aufgrund ihrer Fülle zu kurz kommen müssen.

Fazit: Obwohl nach 600 Seiten die Geschichte abgeschlossen ist und der Autor all die Zusammenhänge aufgelöst hat, möchte man ihn bitten, eine weitere Fortsetzung zu schreiben!