Sébastien Japrisot: Mathilde - Eine große Liebe

Proulx: Schiffsmeldungen
Mathilde und Manech sind seit ihrer Kindheit Freunde, die erste Nacht verbringen sie miteinander, kurz bevor Manech eingezogen wird - in den Ersten Weltkrieg, La Grande Guerre.

Anfang 1917 erfährt Mathilde, daß Manech am Schützengraben Bingo Crépuscule ums Leben gekommen ist. Wie einige andere hatte er sich in die Hand geschossen, um auf diese Weise dem entsetzlichen Krieg zu entkommen. Doch alle wurden gefangengenommen und verurteilt, aber nur fünf von ihnen wurden zum Schützengraben BC gebracht. Dort hatte man ihnen die Hände gebunden und sie in das Niemandsland zwischen den deutschen und den französischen Gräben gebracht. In den kriegerischen Handlungen dieser Nacht waren alle von ihnen ums Leben gekommen.

Doch Mathilde kann der lakonischen Mitteilung nicht glauben, in der ihr nur berichtet wird, daß Manech ein Opfer des Krieges geworden ist, und sie beginnt, ihre eigenen Recherchen anzustellen. Sie findet einen Offizier, der in der betreffenden Nacht die Abschiedsbriefe der Verurteilten geschrieben oder zumindest entgegengenommen und an deren Angehörigen und Freunde weitergeleitet hat. Aber er hat sie auch abgeschrieben, um später sichergehen zu können, daß sie ihren Bestimmungsort erreicht haben.

Mit Hilfe dieser Briefe und eines Fotos nimmt Mathilde Kontakt zu den Angehörigen auf, soweit ihr dies möglich ist, und schließlich erhält sie auch den Hinweis, daß ein oder sogar zwei der Verurteilten die Schlacht überlebt haben könnten. Doch kann sie diesem Hinweis trauen? Ist ihr Manech vielleicht derjenige, der überlebt hat? Mit all diesen Hinweisen beginnt die sieben Jahre lang dauernde Suche der jungen Mathilde nach dem Mann, den sie liebt und nicht vergessen kann ...


Im Januar 2005 kam die Verfilmung dieses französischen Liebesromanes in die deutschen Kinos - die Hauptrolle der Mathilde wird von der jungen Audrey Tautou dargestellt, die viele aus ihrer Rolle in "Die fabelhafte Welt der Amélie" kennen. Im Grunde hat man bei "Mathilde" mit einem Liebesroman (im Grunde mit zahllosen Liebesgeschichten), mit einem Krimi, einen philosophischen Buch, aber auch einem Plädoyer für den Frieden zu tun. Die Handlung des Buches ist großartig und spannend. Wenn man rückblickend darüber nachdenkt, erkennt man, daß das Buch im Grunde zahlreiche wunderschöne, aber auch dramatisch-traurige Geschichten enthält. Auch der Sprachwitz des Autors ist fein und unaufdringlich. Doch leider durch die Verwendung der anachronistischen Erzählweise, durch die Verwendung von Briefen und der wahren Unmenge an Charakteren teilweise so verschachtet, daß es ausgesprochen schwer fällt, der Handlung zu folgen - geschweige denn dem kriminalistischen Erzählstrang zu folgen und dieselben Entdeckungen zu machen wie Mathilde. Aus diesem Grund sind ihre Schlußfolgerungen manchmal unverständlich, was das Gesamte ein wenig unglaubwürdig macht.