
Vampire, Gestaltwandler, Hexen, Magier - seit ewigen Zeiten leben
die sogenannten "Anderen" unerkannt in unserer Mitte.
Und seit ewigen Zeiten stehen sich die Mächte des Lichts und
die Mächte der Finsternis unversöhnlich gegenüber,
zurückgehalten nur duch einen vor Jahren geschlossenen Waffenstillstand.
Zwei Organisationen - den "Wächtern der Nacht" (die
guten "Anderen") und den "Wächtern des Lichts
(den bösen "Anderen") - obliegt es, das empfindliche
Gleichgewicht der Kräfte aufrechtzuerhalten und Verstöße
zu ahnden. Doch nun droht dieses Gleichgewicht zu kippen und die
Welt ins Chaos zu stürzen.
Die Geschichte wird aus der Sicht des lichten Magiers Anton erzählt, der für die Nachtwache arbeitet und nicht zu den Mächtigen seiner Zukunft gehört. Eigentlich arbeitet er in den Büros der Organisation, doch irgendwann schickt ihn sein Chef Geser auf einen Außeneinsatz. Dabei entdeckt Anton in der U-Bahn eine Frau mit einem bedrohlichen Wirbel über ihrem Kopf. Solche Wirbel sind nichts Ungewöhnliches, sind sie doch nur Zeichen eines Fluches. Die verfluchten Personen haben in der Zeit verstärkt Unglück, doch der schwarze Wirbel über dem Kopf der unbekannten Frau ist anders, viel größer und mächtiger. Auch wenn es Anton nicht gelingt, ihn aufzulösen, muß er die Frau gehen lassen, ist er doch hinter etwas anderem her. Jegor, ein kleiner Junge, wird durch eine illegale Vampirin angelockt, die dessen Blut trinken will, doch dies ist verboten. Anton gelingt es gerade noch, den Jungen zu retten und den Gefährten der Vampirin zu töten, doch dieser selbst gelingt die Flucht - Jegor jedoch auch, was darauf schließen läßt, daß er ein noch unentdeckter "Anderer" ist. Der Chef der Nachtwache ist darüber beunruhigt - vor allem aber auch über den unerklärlichen Wirbel über dem Kopf der jungen Frau (Swetlana). Er befürchtet eine große Katastrophe, und richtig, bald wächst der bedrohliche Wirbel immer weiter an, bis er eine Größe erreicht hat, durch die ganz Moskau zerstört werden könnte ...
In der zweiten Geschichte des Buches, die einige Zeit nach den Ereignissen um Swetlana spielen, jagen die Wächter des Lichts und der Nacht einen mysteriösen Wilden Magier, der böse Andere tötet. Der Verdacht fällt auf Anton, der plötzlich von allen Seiten gejagt wird und in anderer Gestalt fliehen muß. Doch irgendwann erkennt er, daß er nur ein Spielball in einer viel größeren Intrige ist ... Die Ereignisse eskalieren in Geschichte 3 des Buches, als Anton erfährt, daß sein Chef ganz eigene Pläne verfolgt und er sich zwischen seiner Verantwortung als Lichter und seiner großen Liebe entscheiden muß ...
In den Medien wird der ehemalige russische Psychiater Sergej Lukianenko, der in seinem Heimatland ein Bestsellerautor ist, gerne mit J. R. R. Tolkien verglichen. Zum einen sicher, weil dies aufgrund der Unbekanntheit des Autors außerhalb seines Heimatlandes zweifellos verkaufsfördernd ist. Zum anderen angesichts der Tatsache, daß eine Verfilmung des Romans in die deutschen Kinos kommt, die selbst von Quentin Tarantino hochgelobt wird. Leider wecken der Heyne Verlag sowie der Verleiher des Films Erwartungen, die das Buch auf keinen Fall erfüllen können. Lukianenko ist alles andere als ein Tolkien (ganz zu schweigen davon, daß er kein neuer russischer Klassiker wie Tolstoi oder Dostojewski ist), und auch die Handlung erinnert an vieles, das man schon zu Hauf gelesen hat. "Wächter der Nacht" erinnert stark an die Film-Noir-Werke, in denen ein gebrochener Held Zweifel an seiner eigenen Seite bekommt und gegen Verwicklungen und Intrigen ankämpft, denen er im Grunde von vornherein unterlegen ist. Und das Ganze wird dann in Ich-Form geschildert, um der Handlung mehr Authentizität und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Ganz zu schweigen vom Identifikationspotential einer solchen Figur ... Doch leider bleibt der Leser wie Anton oftmals im Dunkeln, was die einzelnen Intrigen angeht. "Was bin ich für ein Idiot! Jetzt verstehe ich plötzlich alles!" ruft Anton in der Geschichte mehrfach aus - doch woher diese Erkenntnisse kommen, erfährt der Leser oft nicht, so daß er am Ende verwirrt zurückbleibt und gelegentlich das Gefühl hat, etwas überlesen zu haben. Selbst die Tatsache, daß Anton in Teil 3 des Buches um seine große Liebe kämpft, läßt den Leser relativ kalt, da es dem Autor nicht gelingt, diese Emotionen aus der Sicht von Anton angemessen zu schildern - so daß er sich dann wieder in eine actionreiche Handlung flüchten muß.
Positiv fällt jedoch der Realismus von Lukianenko auf. Zum einen finden sich russische Leser sicher in den Beschreibungen Moskaus und seiner Gesellschaft wieder, erfährt man doch durch diesen Roman vieles über die russischen Sitten und Gepflogenheiten - aber vor allem über die Verbrecherwelt des Landes, geht es doch im Grunde um nichts anderes als um den Kampf der (korrupten) Polizeimacht gegen die russische Mafia. Die Fantasy-Elemente wirken jedoch so manches Mal wie überflüssiges Beiwerk, mit dem der Autor Vampire, Hexen und Co. aufgreift, der sich derzeit in Film und Literatur großer Beliebtheit erfreuen.
Zum anderen sind bei Lukianenko die Guten nicht immer nur gut und die Bösen nicht immer nur schlecht - und schlußendlich siegt wie in der Realität auch nicht immer das Gute über das Böse. Das hebt den Roman sicher von vielen anderen Thrillern ab, hält es doch die Spannung aufrecht und macht in gewisser Weise auf die Fortsetzungen neugierig.