
Nachdem man auf der Erde das Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit
entdeckt hat, bricht die Menschheit ins All auf – und trifft auf
das sogenannte "Konklave", eine interstellare Organisation,
in der etliche außerirdische Spezies versammelt sind. Diese Organisation
wird von den "stearken Rassen" geleitet, die den anderen
unterlegenen Bewohnern der Milchstraße ihre jeweilige Rolle
zuweisen. Allein die Menschen sind jedoch in der Lage, den Sprung
durch Raum und Zeit in Überlichtgeschwindigkeit zu verkraften,
und so wird ihnen die Funktion interstellarer Transportleute zugeteilt.
Der Russe Pjotr Chrumow ist einer solcher Raumpiloten und Fuhrmänner. Eines Tages entdeckt er in seinem Raumschiff einen blinden Passagier, einen Vertreter einer kleinwüchsigen Reptilienrasse - ein sogenannter "Zähler" -, die sich mit anderen "schwachen Rassen" gegen das Konklave verschworen hat. Zunächst glaubt Pjotr, die Angelegenheit still und leise bereinigen zu können. Er ahnt nicht, dass sich sein Leben – und das aller Menschen – für immer verändern wird …
Kurze Zeit darauf kommt Nik Rimer in einem Gefängnis zu sich. Er kann sich weder erinnern, wer er ist noch warum er sich dort aufhält. Ihm gelingt die Flucht und sein Raumschiff bringt in wieder in Richtung Die Heimat zurück. Von seinem Schiff erfährt er, dass er Geometer ist oder genauer: Pilot der Fernaufklärung - zu seinen Aufgaben gehört die Kontaktaufnahme mit fremden Spezies, und er hatte versucht, mit einer neuen, unbekannten Spezies Kontakt aufzunehmen, indem er eines ihrer Schiffe kapert und in Die Heimat bringt, damit dort freundschaftliche Beziehungen hergestellt werden.
Auf Die Heimat angekommen, wird Nik von drei Freunden und seinem Ausbilder willkommen geheißen. Die vier versuchen, seine Erinnerungen zu wecken, indem sie ihm den Planeten zeigen und ihn an allbekannte Orte bringen. Er sieht genormte Apartments und Bekleidung, geometrisch "angeordnete" Kontinente und Städte ... Doch die Anmesie will nicht weichen. Schließlich wird Nik vor den Weltrat gebracht, und dort wird von seinen Freunden und seinem Ausbilder entschieden, dass er nicht länger Pilot sein, sondern selbst Ausbilder werden wird, da er sich seit seiner Rückkehr durch Empathie auszeichnet - eine Eigenschaft, die auf Die Heimat, wo zwischenmenschliche Nähe oder Berührungen allein den Ausbildern vorbehalten sind. Auf Die Heimat werden Kinder nicht von Eltern, sondern von Ausbildern erzogen. Sie sind die einzigen, die ihnen Nähe entgegenbringen, aber im Grunde basiert diese Nähe auf Verrat und Kontrolle, werden die Kinder doch rund um die Uhr überwacht und geformt. Nik erkennt rasch, dass diese Art zu leben "unmenschlich" ist, und greift seinen alten Ausbilder an. Er wird in ein "Sanatorium" verbannt - aber plötzlich kehrt seine Erinnerung zurück ...
"Sternenspiel" ist Band 1 einer neuen Reihe des russischen SciFi-Bestsellerautoren Sergej Lukianenko (Band 2: "Sternenschatten") - und wieder einmal "ganz großes Kino". Wer seine bisherigen Bücher mag, wird auch hier nicht enttäuscht. "Sternenspiel" ist wieder ein klassisches SciFi-Werk: Lukianenko führt uns an viele stellare Schauplätze in vielfältigen Galaxien, entwirft die unterschiedlichsten Rassen und präsentiert uns ungewöhnliche Gesellschaftssysteme ... Die Geschichte nimmt gleich zu Beginn rasant an Fahrt auf und fesselt von der ersten Seite an ungemein. Selbst der vermeintliche Bruch zwischen Teil zwei und drei mindert das Lesevergnügen nicht. Im Gegenteil.
Viel Vergnügen bereitet es jedoch wieder, Lukianenkos Anspielungen auf das kommunistische Gesellschaftssystem oder die russische Politik von Gegenwart und Vergangenheit zu entdecken - was sonst kann sich auch hinter einer Gesellschaft verbergen, in der alles reglementiert ist: die Erziehung, der Alltag, das Umfeld? Eine Gesellschaft, in der alles "von oben" bestimmt wird - nach Bedürfnissen der Gesellschaft und nach ihrem Nutzen - ob man damit einveranstanden ist oder nicht. In der die Erde (aka Russland) den Versuch unternimmt, Verbündete gegen das "starke Konklave" zu finden. Das schildert Lukianenko alles jedoch, ohne zu politisch oder zu philosophisch zu werden. Nein, er bietet dem Leser auch hier wieder primär einen spannenden, actionreichen Abenteuerroman.