Bradfield steht unter Schock: Zuerst wird der Star des Erstliga-Clubs
Bradfield Victoria vergiftet. Kurz darauf kommen bei einem Bombenanschlag
auf das Fußballstadion Dutzende von Menschen ums Leben. Handelt
es sich dabei um die Wahnsinnstat eines Terroristen und sind vielleicht
noch weitere Anschläge zu erwarten? Oder geht es doch um etwas
anderes? Sind die beiden Fälle irgendwie miteinander verbunden
oder vielleicht doch nicht? Carol Jordan und ihr Major Incident
Team (MIT) stehen unter großem Druck, denn die Boulevardpresse wartet
mit immer neuen Spekulationen auf und heizt die Stimmung in der
Öff entlichkeit an.
Dr. Tony Hill ist ihr in dieser Lage keine große Hilfe. Er liegt nach der Attacke eines Psychopathen, der ihn mit einem Beil schwer verletzte, im Krankenhaus. Und dann meldet sich nach langen Jahren des Schweigens auch seine (ungeliebte) Mutter wieder bei ihm - doch weniger, um ihrem Sohn zur Seite zu stehen.
Als ein zweiter Giftmord an einem Polizeibeamten in Rente geschieht, müssen Carol Jordan und Tony alles daransetzen, den Killer zu stellen, über den sie so gut wie nichts wissen ...
"Schleichendes Gift" ist der fünfte Band um das Ermittlerduo Tony Hill (Psychologe und Profiler) und Carol Jordan ("Das Lied der Sirenen", "Schlussblende", "Ein kalter Strom", "Tödliche Worte"), und auch das Lesen dieses Buches macht noch Lust auf weitere Geschichten der beiden. Die Story wird sehr gut erzählt: Wieder einmal aus unterschiedlichen Perspektiven, was für einen durchgängigen Spannungsbogen sorgt, aber dennoch auf eine Art und Weise, dass auch der Leser lange über den/die wahren Täter und seine/ihre Beweggründe im Dunklen tappt. Die schottische Autorin Val McDermid spielt mit den Vorurteilen des Lesers, der auch aufgrund der aktuellen Berichterstattung hinter jedem Baum einen Terroristen vermutet. Doch es ist eben doch nicht alles so einfach, wie man allgemein annimmt. Und so kommt die Auflösung auch für den Leser (zumindest für mich) überrascht, ist das Motiv doch ausgesprochen ... kreativ.
Ein Aspekt, der leider in diesem Buch etwas in den Hintergrund rückt - hatte man sich doch endlich die "Auflösung" der Beziehungsverwirrungen um Hill und Jordan erhofft -, ist die Geschichte um die beiden Ermittler, die offenbar "zueinander nicht kommen können". Gerade das Auftauchen von Tonys dominanter Mutter und die Einblicke/Rückblicke auf seine Kindheit und Jugend öffnen dem Leser Fenster in sein Wesen und darin, warum er heute so verschlossen und "gestört" ist. Und so steht er deutlich stärker im Mittelpunkt als Carol, um die sich die beiden letzten Bände der Reihe gedreht haben.
Mein Fazit: Das Buch ist wirklich sehr gut! Eine unbedingte Leseempfehlung für Krimifans!