
Ahuli arbeitet als Prostituierte in Moskau. Was ihre Kunden nicht
ahnen: Sie ist ein Werfuchs, der die Freier unter Hypnose ihre verwegensten
Träume ausleben lässt - alleine. Eines Tages trifft Ahuli auf Alexander,
bei dem ihre Künste jedoch versagen, da dieser für die Staatssicherheit
arbeitet und auch selbst ein Werwolf ist. Die alterslose Anarchistin
und der Staatstreue verlieben sich.
Wäre das das Einzige, was man über diesen Roman eines der erfolgreichsten zeitgenössischen russischen Schriftstellers sagt, wäre das, als würde man den Inhalt von Thomas Manns "Zauberberg" mit den Worten beschreiben: eine Geschichte über einen jungen Mann, der seinen kranken Cousin in einem Sanatorium besucht, sich dort in eine andere Erkrankte verliebt und beschließt, ebenfalls dort zu bleiben. Es wäre nicht falsch, aber nur ein Hauch dessen, worum es im Roman wirklich geht. Und genau so verhält es sich auch bei diesem Buch über Werwesen und die Suche nach dem Überwertier. Im Grunde haben wir es mit einem ausgesprochen bizarren und surrealen Mix aus philosophischer bzw. literarischer Abhandlung, Kritik an der russischen Seele, aber auch der kapitalistischen Gesellschaft, der Auseinandersetzung Mann-Frau, Geist-Macht und noch vielem mehr zu tun. Interessant und herausfordernd. Doch leider etwas ärgerlich, wenn nämlich die eigentliche Handlung des Romans zu kurz kommt und die handelnden Charaktere nur blasse Figuren bleiben, die teilweise völlig unmotiviert handeln bzw. vom Autor in ein stereotypes Handeln hineingezwungen werden, das seinem eigentlichen Zweck (s. o.) dient.
Fazit: Wer einen Horror-/Monsterroman über Werwölfe sucht, sollte lieber zu einem anderen Roman greifen; da gibt es sicherlich besseres. Wer das Werk dieses bekannten russischen Autoren kennenlernen und sich mit philosophischen Fragen auseinandersetzen möchte, der sollte dieser Geschichte eine Chance geben.