Lynsay Sands: Single White Vampire

Sands
Er - Lucern - ist ein erfolgreicher Verfasser von historischen Fachbüchern und Liebesromanen, deren Hauptfiguren Vampire sind. Groß, dunkelhaarig, gutaussehend, Single. Er lebt zurückgezogen in Toronto, haßt größere Menschenmassen und forsche Frauen. Er hat eine Schwäche für traditionelle Werte, eine etwas antiquierte Sprache, mexikanisches Essen, Frauen, an denen etwas "dran" ist, und schlanke Hälse. Er mag nicht: Sonnenbäder, Knoblauch und religiöse Symbole. Ach ja, habe ich schon erwähnt, daß er selbst ebenfalls ein Vampir ist?

Sie - Kate - ist eine junge Lektorin im Verlag Roundhouse Publishing, der sich auf Liebesromane spezialisiert hat. Lustig, kess, eher extrovertiert, Single. Und was würde sie nicht alles dafür tun, ihren erfolgreichsten Autoren dazu zu bringen, endlich einmal Signierstunden abzuhalten oder Interviews zu geben?

Aus diesem Grund reist Kate nach Toronto, um Lucern persönlich aufzusuchen, nachdem dieser ihre schriftlichen Anfragen immer nur mit einem simplen Nein beantwortet hat. Sie nistet sich regelrecht in seinem Haus ein und überredet ihn schließlich mit Hilfe seiner Mutter, an einem Event teilzunehmen: einer mehrtägigen Konferenz von Romance Times, einem real existierenden Buchclub für Liebesromane. Während der Veranstaltung kommen sich Kate und Luc näher, und auch, als sie erfährt, daß er tatsächlich ein Vampir ist, ist sie keineswegs schockiert, sondern hilft ihm sogar, seinen Blutbestand mit einem Einbruch in einer Blutbank wieder aufzustocken.

Doch als er schließlich die Frage aller Fragen stellt und sie dann auch noch einen Sarg in seinem Keller findet (der unglücklicherweise auch gerade belegt ist), erkennt sie, daß die Ewigkeit doch ganz schön lange ist ...


"Single White Vampire" ist einer der zahllosen Vampirromane, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, da die Vampire dank der sympathischen Blutsauger von Anne Rice und dem gutaussehenden sensiblen Vampir Angel aus der TV-Serie "Buffy the Vampire Slayer" wieder in Mode sind. Natürlich geht es in fast allen Vampirromanen um Liebesgeschichten zwischen extrem männlichen, gutaussehenden, einsamen Vampiren (die nicht unbedingt wissen, daß sie einsam sind und gerettet werden müssen) und ebenso gut aussehenden selbstbewußten Frauen, die den Blutsauger vor der Ewigkeit in Einsamkeit retten (müssen). Gespickt wird das Ganze dann noch mit zahlreichen Bettszenen.

Vampirroman auf der einen, typischer Singleroman auf der anderen - Lynsay Sands' Roman hebt sich aus der Masse dieser Gattungen positiv hervor. Natürlich gibt auch bei ihr Bettszenen, doch man hat zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, daß die Handlung nur ein Vorwand darstellt, um zur nächsten zu kommen. Darüber hinaus ist das Buch ausgesprochen witzig (wobei die Autorin gelegentlich witzige Motive ein wenig überstrapaziert) und gut zu lesen. Die Autorin nimmt den ganzen Trubel um die Verfasser von seichten Liebesromanen und ihren teilweise hysterischen Fans auf die Schippe - welche andere Autorin wäre schon auf die Idee gekommen, einen Liebesroman über einen Vampir zu verfassen, der sein Geld damit verdient, dass er Liebesromane über Vampire schreibt?

PS: Allerdings ist ihre Theorie über die Entstehung vom Vampiren ungewöhnlich: Sie sind die ehemaligen Bewohner von Atlantis, die dank von ihnen entwickelten Nanobakterien mit einer unverwüstlichen Gesundheit und ewiger Jugend gesegnet sind.