
Im China der 30er Jahre: Während der Bürgerkriegswirren unterrichtet
der junge englische Professor und Bohemian Julian Bell Englische
Literatur an der Universität von Wuhan. Frauen sind für Julian Bell
nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben (jede neue Eroberung bekommt
einen neuen Buchstaben - er ist gerade bei J angelangt). Das ändert
sich jedoch als er sich Lin, in die Frau seines Vorgesetzten, verliebt.
Sie reisen beide nach Bejing und beginnen eine Affäre. Seine Geliebte
Lin weiht ihn dabei in ihm bisher unbekannte uralte taostische Liebestechniken
ein und besucht mit ihm Opiumhöhlen. Als beide nach Wuhan zurückkehren,
setzen sie die Affäre fort.
Doch schon bald zeigt sich, daß die Beziehung für Lin die große Liebe ist, während für Julian der Gedanke an eine feste Bindung, die von Dauer ist und weitere Partner ausschließt, aufgrund seiner Erziehung undenkbar ist. Aus diesem Grund trennt er sich von ihr. Nach und nach erkennt er jedoch, daß er mit dieser Frau die ausschließliche Liebe hätte leben können ...
"Die chinesische Geliebte" steht in China aufgrund seiner Freizügigkeit und authentischen Hintergrunds auf dem Index. Doch das Buch ist keineswegs pornographisch, sondern die Liebesszenen sind sehr sanft und nicht wirklich zutiefst erotisch beschrieben. Man muß sich als Leser nicht lange umschauen, um einen Roman zu finden, der mehr nacktes Fleisch oder mitreißendere Szenen bietet. In literarischer Hinsicht ist das Buch jedoch sehr interessant und aufregend. Die Erzählweise ist nüchtern, verliert sich nicht in unendlichen Schilderungen, sondern bleibt knapp, aber präzise - und ist natürlich allein aufgrund des Handlungsortes und der doch sehr von der unseren unterschiedenen Kultur sehr exotisch.
Seltsam und etwas unbefriedigend ist, daß die Person des Julian etwas blutleer bleibt - Lin kann man sich als Leser sehr gut vorstellen, bekommt man nicht nur ein sehr umfassendes äußeres Bild von ihr, sondern kann auch mitleiden und -lieben. Vielleicht ist es aber auch Absicht der Autorin, daß Julian für den Leser sehr fremd bleibt - ist er doch selbst nicht in der Lage, sich zu erkennen und zu verstehen. Vor allem im Hinblick auf seine Ansichten zur Liebe und darüber, was "gute" Literatur ist, ist er sehr snobistisch und kalt.