Carlos Ruiz Zafón – Das Spiel des Engels

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Barcelona zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der junge David Martín arbeitet als Assistent bei der "Stimme der Industrie", einer herabgewirtschafteten Zeitung, als ihn sein Mentor Pedro Vidal dem Chefredakteur empfiehlt. Und so darf Martín in den nächsten Monaten Kurzgeschichten beisteuern - mit großem Erfolg. Das ruft jedoch den Neid seiner Kollegen hervor, und sie setzen Martíns Entlassung durch. Sein reicher Freund Vidal überredet daraufhin zwei "Partner", die einen Verlag besitzen, Martín anzustellen, und so veröffentlicht dieser einige Jahre lang sehr erfolgreich Kriminal- und Schauerromane.

Doch das ist nicht das Einzige, das Martíns Leben in dieser Zeit durcheinanderbringt: Schon langte liebt er Cristina, die Tochter von Vidals Chauffeur. Aber diese schenkt ihm keine Beachtung - im Gegenteil: Sie bittet Martín sogar, ein Manuskript von Vidal zu überarbeiten, und als dieser das Werk veröffentlicht, entwickelt es sich zu einem von den Kritikern gefeierten internationalen Bestseller, während Martíns eigenes Buch verrissen wird. Und dann beschließt Cristina auch noch, Vidal zu heiraten. Der am Boden zerstörte Martín beschließt daraufhin, das Angebot des mysteriösen Verlegers Andrea Corelli anzunehmen, der dem jungen Schriftsteller einen Vertrag anbietet: 100.000 Francs im Gegenzug für ein religiöses Werk, "das die Welt in Brand setzt". Nach anfänglichem Zögern beginnt Martín mit dem Schreiben, doch ihn lässt die Frage nach Corellis Identität und dem Sinn des Werkes nicht los. Seine Nachforschungen bringen Mysteriöses ans Licht: Der ehemalige Besitzer von Martíns Haus stand offenbar auch in Corellis Diensten und hatte in dessen Auftrag ebenfalls mit dem Verfassen eines religiösen Werkes begonnen, nachdem es in seinem Leben zu einer persönlichen Tragödie gekommen war.

Doch Martíns Nachforschungen und die Erkenntnis, dass es erschreckende Parallelen zwischen beiden Schriftstellern gibt, bringen den jungen Mann in große Gefahr, denn offenbar gibt es Personen, die nicht wollen, dass er das Geheimnis lüftet ...

"Große Erwartungen" meets "Faust" und "Dorian Gray" - was der spanische Autor Carlos Ruiz Zafón in seinem zweiten Werk präsentiert, ist ganz großes Kino und ein Fest für jeden, der Literatur liebt. Auch in "Das Spiel des Engels" zeigt er, dass er zu den großen Erzählern unserer Zeit zählt, der mit Worten Bildern malt, die unvergleichlich sind. An dieser Stelle auch ein großes Lob an den Übersetzer (und natürlich auch an den Lektor). Man glaubt beim Lesen beinahe, gemeinsam mit David Martín die Straßen der alten spanischen Hauptstadt entlangzugehen, durch Straßen, über Friedhöfe bis zum Hafen ... Auch die Figuren sind detailgetreu und glaubwürdig gezeichnet, die Handlung ist dicht und actionreich. Auch spürt man dem Werk auf jeder Seite die Liebe des Autors zur Literatur ab.

Einziger Wermutstropfen: Der Autor mutet dem Leser eine ausgesprochen verwirrende Story zu - bei der der Bodycount übrigens höher ist als in so manches Krimi oder Thriller -, was man ihm aufgrund der literarischen Qualität des Buches hätte durchaus verzeihen können, wenn es da nicht den Epilog gäbe ... Ratlos steht man am Ende vor dem rund 700 Seiten Roman. Mit was hat man es hier zu tun? Der Ausgeburt einer überbordenden Fantasie eines Autors, der für sein zweites Werk vielleicht zu viel wollte? Krimi oder Thriller? Mystik? Surrealismus? Einer Allegorie? Und wenn ja, wofür?

Fazit: Wer bereit ist, sich auf ein herausforderndes, anspruchsvolles Buch einzulassen, das den Leser fordert, wer Literatur und eine schöne Sprache liebt, wer beim Lesen eines Buches gerne mitdenkt, der kann getrost zu "Das Spiel des Engels" greifen. Wer kurzweilige (wenn auch nicht anspruchslose) Unterhaltung sucht, der sollte lieber zu etwas anderem greifen.