
Lange Zeit war es in den Vereinigten
Staaten ja so, daß jede Zeitung, jeder Journalist oder jede Person
des öffentlichen Lebens auf eine schwarze Liste kam und mit Repressalien
zu rechnen hatte, die es wagte, den amerikanischen Präsidenten oder
die Politik ihres Landes zu kritisieren. Mangelnden Patriotismus
warf man diesen Personen vor. Doch das dies nicht bedeutet, daß
die Menschen „gleichgeschaltet“ wurden, zeigt sich in Michael Moores
Bestseller „Stupid White Men“, der auch in den USA ein Riesenerfolg
war. Auf sarkastische,
packende, gut lesbare Weise nimmt der Amerikaner Michael Moore sein
Land und seine Landsleute unter die Lupe – und was dabei herauskommt,
ist einer der interessantesten Sachtitel der letzten Jahre.
Ein Präsident, der nur durch eine halblegale Stimmenauszählung an die Macht kam? Der sich durch sein Studium gemogelt hat und von Weltpolitik nicht wirklich eine Ahnung hat? Wer sind die Politiker, die noch aus Daddy Bushs Ära stammen und teilweise von großen amerikanischen Unternehmen unterstützt werden? Ein Bildungssystem, dessen Budget so weit gekürzt wurde, daß sich die Schulen nun von Coca Cola oder Pepsi finanzieren lassen? Aber auch die seit ewigen Zeiten andauernden Streitigkeiten zwischen den Israelis und den Palästinensern, den Rassismus und die Arbeitslosigkeit nimmt Moore mit beißendem Sarkasmus unter die Lupe.
Dennoch sollte man sich bewußt machen, daß auch dieses Buch sicher nicht der Weisheit letzter Schluß und eine objektive Bestandsaufnahme ist. Sicher werden viele Fakten im Anhang durch Quellenangaben belegt, aber indem sich Moore der beliebten Methoden von Werbung und Marketing annimmt, indem er einen trivialen, einfachen Schreibstil wählt, gelingt es ihm zweifellos, Sachverhalte auch unter einem schiefen Licht darzustellen.
Eine großartige Diskussionsgrundlage, die gerade auch über die Gegebenheiten im eigenen Land zum Nachdenken anregen.